Troublemaker Anwalt

Himmel nocheinmal. Da ist vor kurzem endlich der Streitfall von Transparency zu einer Bloggerin beigelegt worden. Schon tritt die nächste Anwaltskanzlei ins Fettnäpfchen und schädigt (langsam könnte man sagen „grob fahrlässig“) somit seinen Klienten. Anstoss ist wieder einmal ein Kritik-Artikel eines Blogger, welcher im Jänner 2005 (!) verfasst wurde. Der angesetzte Gegenstandswert beträgt EUR 250.000,- wegen angeblichen wirtschaftlichen Schaden deren Mandantschaft. Auch die weiteren Vorwürfe sind teilweise so absurd, dass man zwangsläufig die Fragen stellt, was ein Anwalt so eigentlich können muss, um Anwalt zu werden.

Der folgende Zitate sind nun typisch in solch ähnlichen Fällen. Diese zeigen, du oftmals plumpe Vorgangsweise (zumindest in meinen Augen) der Anwälte.

Auszug Forderung
[…] Die Anmeldung und Bewerbung Ihrer privaten Homepage unter dem Suchbegriff „f.“ bei Suchmaschinen ist rechtswidrig. Wir fordern die Beseitigung der Einträge unter dem Suchbegriff „f.“.

Tja, was soll man dazu sagen? Wie das Internet funktioniert konnte der Anwalt noch nicht überreissen. Dass man sich nicht bei einer Suchmaschine anmelden muss, um überhaupt gelistet zu werden, oder dass man keinen Einfluss auf das Listing in einer Suchmaschine hat, dürfte sich noch nicht herumgesprochen haben.

[…] Gleichzeitig informieren wir Sie darüber, dass wir uns auch an Google Deutschland wenden, um die Gründe für das Ranking ihrer privaten Seite auf Platz 2 der Trefferliste zu erfahren.

Das wird Google sicherlich freuen, dass wer wissbegierig ist. Allerdings sind die Gründe auch für den Normalverbraucher jederzeit auf den Webseiten der Suchmaschine ersichtlich. Absolut kostenlos.

[…] Ihre Seite verfolgt hier nicht den Zweck, neutral über Erfahrungen zu diskutieren, sondern ausschließlich das Ziel, Negativberichte über f. zu veröffentlichen und andere Konkurrenzunternehmen zu empfehlen.

Frage. Wie soll man noch neutraler eine negative Erfahrung mit einer Druckerei beschreiben? Ohne ein Wort der Kritik vielleicht?

[…] Potentielle positive Beiträge würden so weit unten verschwinden, dass die meisten Lesern sie gar nicht mehr zu Gesicht bekämen.

Mein Tipp: Einfach mal mehrere Blogs ansehen, dann versteht man das Prinzip von Blogs. Und er wir hier bis ganz nach unten gelesen.

Gedankensplitter

Es stellt sich natürlich die Frage, was die jeweilige Anwaltskanzlei erreichen will. Gerechtigkeit (wohl eher nicht), den Gegner einschüchtern, einfach nur den Auftrag des Klienten ausführen, Geld eintreiben, …

Die Frage dürfte wohl nicht zu beantworten sein.

Man kann hier dem Klienten in diesem Fall nicht viel Schuld für die nun auftretende Negativ-PR machen. Dieser setzt sich mit der Thematik nicht viel auseinander (vielleicht ärgert er sich über den Betrag oder über das Google Listing) und gibt den Anwalt das Problem weiter. Man kann und darf nicht voraussetzten das ein Unternehmen sich mit Internetrecht u.ä. auskennt. Dies ist nicht sein Job.

Was aber Anwälte nun machen ist mir bis dato unverständlich. Anstatt den Klienten ausführlich zu beraten, diesem Alternativvorschläge zu unterbreiten, sich ausführlich über die Gegebenheiten zu informieren, wird der Auftrag geschnappt und mit der Brechstange vorgegangen.

Warum keine menschliche Lösung gesucht wird und der Weg der Kommunikation eingeschlagen wird ist meines Erachtens unerklärlich. (Anmerkung: in oberen Fall entzieht es sich meiner Erkenntniss, ob andere Lösungen angestrebt wurden)

Es wird Zeit, dass Anwälte wieder mehr auf menschlichen Niveau kommuniziert und nicht nur des Profites wegen. So wie ich den Artikel kenne, war dies ein reiner Kritikbeitrag, ohne das betroffene Unternehmen bewusst schädigen zu wollen. (Update: anscheinend geht es nicht um den Beitrag selbst, sondern um einen der Kommentare)

Grösse zeigt der, wer mit Kritik umgehen kann.

Weitere Berichte zu diesem Fall

Thiema
Werbeblogger
Scholz
Boocompany
Heissis
Handelsblatt
Dobschat

Mal interessante Ansichten zu diesem Thema ohne die typische „Hetze“: fx3

Eine Antwort zu “Troublemaker Anwalt”

  1. Pingback: Basic Thinking Blog » Flyerpilot droht Blogger mit 250.000 Euro wegen Rufschädigung

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