Verdienst als Webdesigner

Ein recht interessantes Thema hat Christian Strang in seinem Artikel Wieviel verdient ein Webdesigner aufgegriffen. Er stellt sich die Frage, wieviel ein Webdesigner verlangen kann und soll. Dabei geht es nicht um jene, welche Webdesign als Hobby betreiben oder um Möchtegern Webdesigner, welche es gerade mal zusammenbringen ein vorgefertigtes Template farblich anzupassen, sondern um jene, welche Webdesign professionell anbieten, und sich mit der Materie auskennen. Doch um auf ein vernünftiges Preis/Leistungsmodell zu kommen, muss man das Aufgabengebiet eines Webdesigners näher definieren.

Grundkenntnisse eines Webdesigners
Wer professionell Webseiten entwirft, sollte über einiges Grundwissen an html & Co verfügen. Folgende Eigenschaften sind für einen professionellen Webdesigner Pflicht.

  • Perfekte Kenntnisse über HTML, XHTML und CSS
  • Gespür für Farbharmonie und Farbgestaltung
  • Gespür für homogene Seitengestaltung
  • Grundlegende Kenntnisse über PHP und MYSQL
  • Kenntnisse von Bildbearbeitung
  • Kenntnisse über die derzeitigen Webstandards
  • Wissen über optimale interne Verlinkung
  • Wissen über suchmaschinenfreundliche Links

Weiters sollte der Webdesigner bereits Erfahrungen mit dem einen oder anderen Content Management System (CMS) haben und sich mit diesen auskennen. Heutzutage ist es fast schon fahrlässig dem Kunden statische Webseiten aufzuzwängen.

Wer nicht diese grundlegenden Kenntnisse besitzt, hat nichts als Anbieter in diesem Gewerbe zu suchen. Der Kunde kann am wenigsten dafür, dass der beauftragte Webdesigner seinen Anforderungen nicht gerecht wird.

 

Aufgaben eines Webdesigners
Das Aufgabengebiet eines Webdesigners lässt sich nicht so leicht definieren. Es kann die komplette Recherche der Marktsituation und der Konkurrenz enthalten und die anschliessende kreative Planung und Umsetzung des Projektes, aber auch nur die optische Neugestaltung innerhalb der CI-Richtlinien des jeweiligen Unternehmens.

Je nach Aufgabengebiet und Umfang bestimmt der Webdesigner dann die Kosten.

Mögliche Preisspannen
Als Webdesigner gibt es keinen fixen Richtpreis. Wenn man das Internet durchforstet, so wird man zwischen 10,- bis 200,- Euro pro Stunde alles finden. Es ist allerdings ein sträflicher Irrtum, sich unter seinem Wert zu verkaufen, nur in dem Glauben, damit den Kunden zu binden.

Wer noch am Anfang seiner Karriere steht, und noch über keine Referenzen verfügt ist besser dran, mehrere Webseiten für sich selbst zu erstellen, welche noch dazu seine eigenen Leistungen anpreisen, als für einen Kunden eine Webseite unter ihrem Wert anzufertigen. Ich rate auch ab, für Freunde kostenlose oder extrem verbilligte Webseiten zu gestalten. Man glaubt ja nicht wie schnell man so viele „gute Freunde“ hat. Dazu gibt es einen passenden Spruch: „Gute Freundschaft, strenge Rechnung.“

Das mag für einige jetzt hart klingen, aber die Realität zeigt oft genug, dass genau solche Leute, welche sich einmal unter ihrem Wert verkauft haben, immer wieder preislich gedrückt werden, und diese kaum wirtschaftlich arbeiten können.

Als selbständiger Webdesigner (der auch diese Bezeichnung verdient) kann man als unterste Grenze einen Stundensatz von 50,- festlegen. Verfügt man dementsprechende Referenzen und besitzt man die geforderten Fähigkeiten, so ist kann man dementsprechend mehr verlangen.

Man sollte nie ausser Acht lassen, dass das Finanzamt auch seinen Teil am erwirtschafteten Umsatz haben will.

Der Freiberufler
Etwas anders sieht die Situation als freiberuflicher Mitarbeiter aus. Hier ist man zwar auch als Selbständiger tätig, allerdings sind hier eher zwischen 20-35,- Euro pro Stunde üblich.

Doch in der Regel benützt man erstens die Räumlichkeiten und Computer des Auftraggebers und zweitens kann man als freiberuflicher Mitarbeiter davon ausgehen, dass einem das Unternehmen regelmässig mit Jobs versorgt, sodass man mindestens 130 Stunden im Monat beschäftigt wird.

3 Antworten zu “Verdienst als Webdesigner”

  1. Ich finde auch es ist enorm wichtig, sich nicht unter seinem Wert zu verkaufen. Leider wird für diesen Beruf keine spezielle Ausbildung benötigt, sodass mehr oder weniger ein jeder, der ein bisschen mit Frontpage oder GoLive arbeiten kann sich als Webdesigner rühmen kann.

    Da ist es für seriöse Webdesigner, welche die entsprechende Ausbildung besitzen ungleich schwerer, den Kunden davon zu überzeugen, dass jeder Job ein gesundes Preis/Leistungsverhältnis besitzen muss, und dass man von nur billigen Webseiten (meist sind diese optisch jenseits von gut und böse) so gut wie nichts hat. Da ist es den Kunden oftmals besser keine Webseite zu besitzen.

    Argumente wie „korrekt programmierte Webseiten, Browser kompatible, suchmaschinenfreundliche Links, Suchmaschinen Optimierung, …“ kommen halt nicht so gut an wie „kostet fast nichts“.

  2. Also zunächst mal kann eine Webseite von jemand, der 15 Euro will, deutlich teurer werden, als von jemand, der 50 Euro will. Es kommt auf Kompetenz und Schnelligkeit an. 15 bis 20 Euro, wie in dem Artikel verlangt, das ist wirklich nur für den allerersten Einstieg möglich, sozusagen als bezahltes Lernen … Davon kann man als Selbstständiger nicht leben.

    Leistungen wie Suchmaschinenoptimierung, Barrierefreiheit etc. würde ich generell eigens berechnen bzw. als Leistung ausweisen. Dann kann sich der Kunde aussuchen, was er will – und wenn er auf die Suchmaschinenoptimierung verzichtet, dann ist er eben nicht in Google … Viele stört das gar nicht.

    Der Auflistung der Fähigkeiten möchte ich ein bisschen widersprechen. Ein Designer im Bereich der Druckvorstufe muss nur geringe Kenntnisse des Druckprozesses mitbringen und kann trotzdem einwandfreie Ergebnisse liefern: weil es Mediendienstleister gibt, die die Dateien für die Druckausgabe aufbereiten sowie den Druck organisieren und überwachen. Warum soll das im Internet anders ablaufen? Der Designer entwirft und der Programmierer baut die Seiten. Und die Projektleitung (= Produktioner) entscheidet, ob und welches CMS verwendet wird, berät den Kunden im Bereich Hosting, SEO und so weiter.

    Wieso soll einer alles machen? Das ist nicht der Normalfall. Selbst in kleinen Designagenturen wird die Arbeit geteilt:
    – Kontakter (Beratung, Nachbetreuung)
    – Projektleiter (Projektplaung und Organisation)
    – Designer / Konzeptioner
    – Programmierer
    – Redakteur für den content.

    Wie viele Webprojekte sterben, weil der Auftraggeber keinen Content liefert, oder davon einfach überfordert ist? Texten und Bildrecherche gehören im Printdesign einfach dazu, eine Werbekampagne wird von der Agentur auch immer inhaltlich konzeptioniert und umgesetzt. Warum soll das bei Webseiten anders sein? Natürlich muss nicht jede einzelne Aufgabe auch eine konkrete Person sein – vielleicht besteht das Team nur aus einem Designer und einem Programmierer, der auch die Beratung übernimmt … etc.

    In der Liste fehlt ausserdem noch einiges:
    – Interface-Design und Usability
    – Barrierefreiheit
    – rechtliche Grundlagen, Presserecht, Markenrecht etc.
    – redaktionelle Fähigkeiten
    – Organisation und Prejektabwicklung
    – JavaScript-Kenntnisse
    – Flash, Sound und Video-Bearbeitung
    – Schulung des Kunden bzw. seiner Mitarbeiter am CMS
    und so weiter.

    Hier geht nichts über ein Team. Also: wer in einigen Bereichen nicht genügend Kenntnisse mitbringt, sucht sich einfach jemand für diese Bereiche, mit dem er zusammenarbeitet. Ich blaube einfach nicht, dass jemand im Bereich Konzeption/Design/Gestaltung/Bildbearbeitung top Fähigkeiten erlangen kann, wenn er sich zusätzlich mit HTML, CSS, JavaScript, PHP, Datenbanken, Server, Hosting, SEO, Shops, Sichere Finanzdatentransfers etc. usw. auskennen soll. Das ist in einem Leben nicht zu machen, zumindest nicht für die meisten Menschen. Schließlich soll man ja nicht nur lernen, sondern die meiste Zeit produktiv arbeiten.

    Na ja, nur meine Meinung. Ich bin mit Teams immer sehr gut gefahren. Es ist einfacher, in einem Gebiet gut zu werden als in allen.

  3. Hallo Peter.

    Ich gebe dir im grossen und ganzen recht, doch deine Ausführungen gehen zum Teil schon einen Schritt weiter. Du denkst da eher an die grösseren Unternehmensseiten. Da spielen natürlich ganz andere Faktoren ein Rolle, und die kann ein Einzelner so gut wie nicht schaffen. Ich selbst arbeite oftmals mit unterschiedlichen Personen und Partnern zusammen, um den Qualitätskriterien und dem Umfang eines Projektes gerecht zu werden.

    Allerdings denke ich dass sich Christian auf den marktüblichen Webdesigner beschränkt, welcher den grossteil der Kundschaft bedient.

    Wenn man den derzeitigen Markt näher betrachtet, so ist der Grossteil der Kundschaft eher Einzel-, Klein oder Mittelunternehmer, welche sich in erster Linie im Internet präsentieren, ihre Dienstleistungen anbieten und eventuelle News publizieren wollen. Das Budget für diese Zielgruppe liegt meiner Erfahrung nach zwischen 500,- und 5000,- Euro.

    Innerhalb dieses Budget müssen sich also alle Aktivitäten abspielen können. Da ist es klar, dass ein Kleinunternehmen nicht in einer Liga von einem Konzern mitspielen können, welche in der Regel gleich mehrere Personen für die laufende Betreuung (z.B: Contentpflege, Betreuung der Community, usw.) zur Verfügung haben.

    Auch ich berechne Leistungen wie Suchmaschinenoptimierung, Barrierefreiheit etc. separat – wie oben beschrieben, alles hat seinen Preis, schliesslich muss ja auch das eigene Unternehmen auf gesunden Füssen stehen.

    Für mich sind die oben angeführten Grundkenntnisse eines Webdesigners ein Muss für den Selbständigen Webdesigner. Ansonsten kann dieser, sofern er mit keinen Partner zusammenarbeitet, keine brauchbaren Gesamtlösungen anbieten.

    Auf eines muss ich allerdings widersprechen. Zitat:

    Ein Designer im Bereich der Druckvorstufe muss nur geringe Kenntnisse des Druckprozesses mitbringen und kann trotzdem einwandfreie Ergebnisse liefern: weil es Mediendienstleister gibt, die die Dateien für die Druckausgabe aufbereiten sowie den Druck organisieren und überwachen.

    Sollte er aber doch haben, zumindest ein Grundwissen über die Druckprozesse. Der Computer hat vieles einfach gemacht, sodass im graphischen Gewerbe hauptsächlich graphische Laien sitzen. Nicht umsonst hat die Qualität der Druckprodukte im Allgemeinen abgenommen, trotz Computer-to-Plate, automatisierte Druckprozesse u.ä.

    Und das hat nicht nur mit Zeit- und Geldmangel zu tun.